Wir erinnern an Heinz Drossel

Am 21.9.2024 wäre Heinz Drossel 108 Jahre alt geworden.

Deshalb fand eine

Vortragsveranstaltung am 22.9.2024 im Alten Rathaus in Emmendingen statt.

Empathie und Klugheit, diese beiden Fähigkeiten bestimmten das Handeln von Heinz Drossel. Wer nicht beide Tugenden beachtet, wird den uns gestellten Problemen nicht gerecht werden und unmenschliche Verhältnisse billigen.

In Zeiten wie heute, in denen viele nicht wissen, welche Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Faschismus und Nationalsozialismus begangen wurden, gilt es an Menschen zu erinnern, die sich für ihre Mitmenschen eingesetzt haben, die Verfolgten halfen und Leben retteten.

Es geht uns nicht darum, einen neuen Heldenkult zu etablieren, sondern der Öffentlichkeit zu zeigen, welche Haltung wichtig ist, um unsere humane Gesellschaft gegen autoritäre, rechtsextreme Angriffe zu verteidigen.

Ein Gedanke zur Vortragsveranstaltung zu Heinz Drossel, 23.9.2024

Auch für die Politik ließe sich aus all diesen psychologischen Mechanismen lernen: etwa dass sie das Spiel mit den Emotionen nicht nur den Verächtern der Demokratie überlassen sollte. Dass sie diffuse Ängste besser nicht mit trockenen Argumenten bekämpft, sondern indem sie Menschen auf der Gefühlsebene anspricht. (Ulrich Schnabel, Woher kommt die Wut?, Zeit 40, 2024)

Dieses Zitat aus der Zeit enthält einen wichtigen Hinweis: In der Diskussion, in Begegnungen mit anderen im öffentlichen Raum spielen Emotionen eine zentrale Rolle.

Natürlich brauchen wir einen rationalen Diskurs, aber Emotionen sind nicht irrational. Zu Recht sprachen die Stürmer und Dränger des 18. Jahrhunderts von der „Vernunft ihres Herzens“ und stellten diese gegen den verkopften Rationalismus der Aufklärung.

Heute ist es wichtig gegen die Wut und die Angst (z.B. vor dem Fremden oder vor Veränderung) positive Gefühle, Empathie oder Mitgefühl, zu stellen.

Es ist sehr wichtig darauf hinzuweisen, dass Heinz Drossel seine Handlungsspielräume nutzte. Voraussetzung für dieses Verhalten war aber seine hohe Empathiefähigkeit. Diese Emotion gilt es zu kultivieren und herauszustellen.

Ohne positive Emotionen werden wir die anderen nicht erreichen, deshalb reicht es nicht, den anderen aufzuklären, sondern wir müssen ihn auch emotional ansprechen.

Rationalität ohne Emotionen ist kalt. Emotionen ohne Vernunft sind zerstörerisch.

Wir lassen es nicht zu, dass Geschichtsvergessene die Verbrechen der Deutschen in der Zeit des Nationalsozialismus relativieren. Gerade gegen die Diffamierung von Verfolgten und Migranten wehren wir uns und wir zeigen, selbst in einer Diktatur war Mitmenschlichkeit möglich.

Heinz Drossel verhinderte die Ermordung von russischen Kriegsgefangenen. Er versteckte Jüdinnen und Juden und verhinderte so deren Deportation in die Vernichtungslager.

Heute schließen die EU oder unsere Regierung Verträge mit Staaten wie Tunesien oder Marokko ab, um Flüchtlinge aus Europa fernzuhalten.

Wenn dabei Menschen wie eine Mutter mit ihrem Kind in der Wüste ausgesetzt werden und diese verdursten und dies eine gängige Praxis ist, verliert diese Politik jegliche Legitimität.

Heinz Drossel bewies Mitmenschlichkeit und Zivilcourage.

Er hat uns eine Aufgabe hinterlassen.

Artikel aus dem Emmendinger Tor, 25.9.2024

Bilder von der Veranstaltung

von Sven Weis

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