Heinz Drossel, 1916 – 2008, Retter in Uniform und Stiller Held

Heinz Drossel durfte ich 2001 kennenlernen und er wurde mein Freund und Vorbild.

Er war ein „Stiller Held“ und „Retter in Uniform“. In der Zeit des Nationalsozialismus rettete er mehreren Menschen das Leben, sowohl als Soldat an der Front, als auch auf Heimaturlaub in Berlin. Es sind nur wenige Soldaten bekannt, die ähnlich wie er handelten. Er wird dem „Rettungswiderstand“ zugerechnet. Nach dem Ende der NS-Diktatur wurde er wegen seines Verhaltens im Nationalsozialismus unfair behandelt, lange erzählte er nichts von dem, was er erleben musste. Erst in den 2000er Jahren wurde er für sein Handeln geehrt. Ich lernte ihn bei einem Vortrag am Geschwister-Scholl-Gymnasium kennen. Mit dem von mir gegründeten Geschichtsprojekt arbeitete er gerne zusammen und es entstand eine freundschaftliche Beziehung zwischen den Schüler*innen und ihm. Im Jahr 2009 erhielt ich für meine Zusammenarbeit mit ihm und den Schüler*innen den Hosenfeld-Szpilman-Preis der Universität Lüneburg, dazu habe ich eine ausführliche Materialsammlung und ein Bewerbungsschreiben verfasst. Die folgenden Texte und Filme sind bei unserer Zusammenarbeit entstanden, das Bewerbungsschreiben und die Materialien dazu können sie hier herunterladen.

Aktueller Hinweis auf eine Ausstellung und Veranstaltung zu Heinz Drossel am Sozialgericht in Konstanz vom März – Mai 2022

Inhalt des Blogs

  1. Heinz Drossel erzählt aus seinem Leben
  2. Zu Heinz Drossels Kindheit und Jugend
  3. Allgemeine Informationen zu Heinz Drossel
  4. Heinz Drossel, ein Mensch in schrecklicher Zeit, Filmbiografie 2001
  5. Heinz Drossels Erfahrungen in der Kriegszeit 1939-45
  6. Das Geschichtsprojekt und Heinz Drossel, gemeinsame Projekte

Biographisches zu Heinz Drossel

Bei einem Podiumsgespräch am Auschwitzgedenktag 2007 am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Waldkirch

Bei diesem Podiumsgespräch nahmen neben Heinz Drossel Alexander Bergmann (Holocaustüberlebender aus Riga) und Prof. Arno Lustiger (Überlebender von Auschwitz und ein wichtiger Historiker, er prägte den Begriff „Rettungswiderstand“) teil. Heinz Drossel redet von seinem Schweigen in der Nachkriegszeit, er verweist auf seine und die schrecklichen Erfahrungen der anderen Gesprächsteilnehmer, dann geht er auf seine Familie und wichtige Erlebnisse aus der NS-Zeit ein.

Zu Heinz Drossels Kindheit und Jugend

Kindheit und Jugend (Text aus dem Virtuellen Museum von Fabian Walter)

In meinem Beitrag zum „Widerstand“ gehe ich auf die Kindheit und Jugend von Heinz Drossel ein:

Von den Wurzeln eines Widerstandskämpfers

Heinz Drossel setzt sich als 16-Jähriger für einen von der Gestapo verhafteten Nachbarn ein.

Allgemeine Informationen zu Heinz Drossel

Ausstellungsplakate zu Heinz Drossel vom Auschwitzgedenktag 2019

vorgelesen von Fischer-Weissberger

Innerhalb einer Ausstellung, in der wir auch Widerstandkämpfer aus Waldkirch und Holocaustüberlebende, die unsere Schule besucht hatten, vorstellten, zeigten wir dieses Plakat. Die Plakate wurden von Schüler*innen des Geschichtsprojekts erstellt.

Texte von Projektteilnehmern zu den verschiedenen Lebensstationen Heinz Drossels aus dem Virtuellen Museum zu Heinz Drossel, 2009

Texte von Projektteilnehmern zu den verschiedenen Lebensstationen Heinz Drossels aus dem Virtuellen Museum zu Heinz Drossel, 2009

Besprechung der Autobiographie von Heinz Drossel „Zeit der Füchse“  (Text von Uli Weissberger)

Kindheit und Jugend (Text von Fabian Walter)

Die Zeit von 1933-39 (Text von Franziska Kleintges)

Im Krieg (Text von Marlene Fröhlich)

Rettungstaten in Berlin (Text von Brian Moser)

Heinz Drossel in der BRD (Text von Felix Steuerer)

Ein Gedicht zu Heinz Drossel im Vernichtungskrieg, November 2021

von Lino Becker, einem ehemaligen Schüler, der 2020 bei mir Abitur machte

Film des Geschichtsprojekts aus dem Jahr 2001

Im November 2001 fuhren wir vom Geschichtsprojekt am Geschwister-Scholl-Gymnasium, Waldkirch, zusammen mit Heinz Drossel, Frau Silabetschki und ihrer Tochter (Heinz Drossel lebte bei ihnen, er war der angenommene „Opa“) nach Berlin. Dort drehten wir wichtige Szenen zu dieser Filmbiografie, die wir später am Auschwitzgedenktag 2002 in Waldkirch der Öffentlichkeit zeigten.

Heinz Drossels Erfahrungen in der Kriegszeit von 1939 – 45

Ausschnitte aus dem Film „Heinz Drossel, ein Mensch in schrecklicher Zeit“

Heinz Drossel musste nach seinem Juraexamen in den Krieg, da er sich weigerte einer NS-Organisation beizutreten. Er war zunächst in Frankreich und dann im Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion eingesetzt.

Im Vernichtungskrieg

Die Rettung von russischen Kriegsgefangenen

Direkt nach dem Beginn des Vernichtungskriegs verhindert Heinz Drossel, dass sieben russische Gefangene „auf der Flucht“ erschossen werden. Er setzt sein Leben aufs Spiel, dass der verbrecherische Befehl nicht umgesetzt wird.

Das Massaker von Dagda, Vom Tod eines kleinen Jungen

Im Vernichtungskrieg musste er ansehen, wie ein Kind bei einem Massaker mit seinen Angehörigen umgebracht wurde. Dieses Erlebnis prägte sein späteres Leben maßgeblich. Er erzählte mir, dass es ihn verfolge und wenn er es erzähle, es vor seinen Augen stünde.

Text: Der Junge von Dagda; https://www.heinzdrossel.de/dokumente/dagda-weissberger.pdf

Der Mord an einem alten Juden

Auf dem Vormarsch durch das Baltikum wird am Wegesrand ein alter Jude durch SS-Männer grausam ermordet. Hilflos und entsetzt sehen dies Heinz Drossel und seine Kameraden. Heinz Drossel machte sich Vorwürfe, warum er nicht eingegriffen hatte. Er sagte, er hätte das Leiden des Mannes verkürzen können.

Text: Der alte Jude https://www.heinzdrossel.de/dokumente/der-alte-jude-weissberger.pdf

Die Rettung eines russischen Kommissars

Einer der verbrecherischen Befehle, die Hitler und die Wehrmacht im Vernichtungskrieg erließen und anwandten war der berüchtigte Kommissarbefehl. Er besagte, dass wider jegliches Kriegsrecht russische Offiziere sofort standrechtlich erschossen werden sollten.

Heinz Drossel ließ einen russischen Kommissar, so nannten die Nazis russische Offiziere, auf dem Weg zur Hinrichtung entkommen.

Der Tod eines jungen Kriegsdienstverweigerers

Wegen seiner juristischen Vorkenntnisse wurde Heinz Drossel auch als Verteidiger bei Standgerichten eingesetzt. So verteidigte er einen jungen Soldaten, der sich weigerte zu schießen. Dieser wurde zum Tode verurteilt und Heinz Drossel begleitete ihn auf seinem letzten Gang.

https://vimeo.com/290851867

Auf Heimaturlaub 1942 und im Februar 1945

Die Rettung seiner späteren Frau, Anfang November 1942

Weil sie eine Jüdin war, wurde der jungen Frau ihr neugeborenes Baby weggenommen. Verzweifelt, auch weil ihr Mann sie verlassen und sie keine sichere Bleibe hatte, versucht sie sich zu töten.

Text: Die Jungfernbrücke https://www.heinzdrossel.de/dokumente/jungfernbruecke-weissberger.pdf

Willkür gegenüber Juden in Berlin

Heinz Drossel erzählt im Museum „Blindenwerkstatt Otto Weidt“*, wie ein SS-Mann seine spätere Frau behandelt hat.

*Otto Weidt versteckte die jüdische Familie Horn in seiner Werkstatt, sie wurden verraten und kamen ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau.

Die Rettung von vier untergetauchten Juden, Februar 1945

Für diese Rettungstat bekamen Heinz Drossel und seine Eltern (postum) den Ehrentitel „Gerechte unter den Völkern“ des Staates Israel. Sie halfen ihren Nachbarn, als diese ihnen sagen, sie seien Juden und stünden kurz vor der Entdeckung durch die Gestapo.

Das Geschichtsprojekt und Heinz Drossel

Gemeinsame Projekte

Heinz Drossel an seinem 90. Geburtstag am GSG in Waldkirch, mit Mirko beim Dreh im Bruckwald 2001, in einer Klasse am GSG, mit dem Militärhistoriker Prof. Manfred Messerschmidt, mit Arno Lustiger (bei Veranstaltungen am GSG, beim Dreh in Berlin Tempelhof 2001

Vortrag zum Geschichtsprojekt (Uli Fischer-Weissberger)

Auf einer Veranstaltung zu meiner Verabschiedung in den Ruhestand hielt ich den folgenden Vortrag. Es ging mir darum zu zeigen, dass es wichtig ist im Geschichtsunterricht nicht nur auf das Wissen um wichtige Sachverhalte und historische Phänomene abzuheben, sondern ein tätiges Mitgefühl zu entwickeln und dieses auch an historischen Persönlichkeiten wie Heinz Drossel zu zeigen.

Hier der Beginn des Vortrags:

Wie man unschwer auf dem Bild erkennen kann, ist das Geschichtsprojekt mit 
unserem Freund Heinz Drossel verbunden. 
Deshalb endet die 1. Phase mit seinem Tod. Diese Phase war geprägt von der Zusam­menarbeit und der Freund­schaft mit Heinz. Die 2. Phase bis heute setzt die Arbeit in seinem Sinne fort. Immer eingebettet war das Geschichtsprojekt in die Erinnerungskultur an unserer Schule als Teil der Waldkircher Erinnerungskultur.

Heinz Drossel und das Geschwister-Scholl-Gymnasium, Waldkirch

Dieser Film zeigt Ausschnitte aus Filmen, die unsere bewegte Zusammenarbeit mit Heinz Drossel und sein Leben zeigen. Fassung Juli 2016

Rosen für Heinz

Feier anlässlich des 90. Geburtstags am Geschwister-Scholl Gymnasium, Waldkirch, September 2006

Anlässlich seines 90. Geburtstages feierten wir mit Heinz in der Aula des Geschwister-Scholl-Gymnasiums. Die Mitglieder des Geschichtsprojekts überreichten ihm weiße Rosen und wir schenkten ihm ein Gemälde des Karlsruher Künstlers Dieter Schwerda. Dieses Gemälde überließ uns seine Tochter Ruth Drossel nach seinem Tod; es hängt im 3. Stock des Gymnasiums und erinnert an unseren Freund.

In dem Film Rosen für Heinz zeigen wir Beiträge zu dieser Veranstaltung.

Mit Heinz Drossel in Berlin und bei Dreharbeiten

Auf der Berlinfahrt entwickelte sich unsere Freundschaft, die bis zu Heinz Drossels Tod anhielt. In zahlreichen Projekten durften wir zusammenarbeiten.

Zwei Filmausschnitte aus der Filmbiografie

SWR-Film zu unserer Arbeit mit Heinz Drossel, 2002

Der Film zeigt die Entstehung unseres Filmes „Heinz Drossel ein Mensch in schrecklicher Zeit“. Wir wurden von einem Filmteam bei den Schneidearbeiten in den Weihnachtsferien 2001-02 besucht.


Link: https://vimeo.com/60955145

Film des Geschichtsprojekts mit dem „Geretteten“ G. Fontheim(1922-2019)

Bei einem Besuch von Günter und Margot Fontheim in Simonswald führten wir ein bemerkenswertes Gespräch. Herr Fontheim erzählt von seinem Leben im Versteck in einer Laubenkolonie als Untergetauchter im zerbombten Berlin, er und Heinz Drossel äußern sich im Anschluss daran zu Tätern und Zivilcourage in der NS-Zeit.

Arno Lustiger und Heinz Drossel im Gespräch

Arno Lustiger(1924-2012) ist Überlebender des Holocaust, er musste mehrere KZs und zwei Todesmärsche ertragen. Er blieb in Frankfurt und ist Mitbegründer der zionistischen Bewegung in der Bundesrepublik. Heinz Drossel ist ein sogenannter stiller Held. Er rettete mehreren Menschen in der Zeit des Nationalsozialismus das Leben. Zusammen erinnern sich beide an die Schrecken der
Lager und Verfolgung. Gemeinsam äußern sich beide vor Schülerinnen und Schülern der Oberstufe zu Schuld und Erinnerung in unserer Gesellschaft.
Der Film wurde für die öffentliche Veranstaltung anlässlich des Auschwitzgedenktages 2004
produziert.

NS-Propagandabilder im Waldkircher Rathaus

Die Filme und Berichte entstanden während der Auseinandersetzungen um NS-Propagandabilder, die sich bis 2019 im Waldkircher Rathaus befanden, sie wurden entfernt, weil das Rathaus renoviert wurde. Gemeinsam mit dem Jugendgemeinderat und mit Hilfe von Heinz Drossel versuchten wir zu bewirken, dass die Bilder entweder ins Museum kommen oder verändert werden sollten. Der Film unserer AG schildert unsere Auseinandersetzung mit den Bildern, es werden Bürgerinnen und Bürger befragt und der Prozess um die politische Auseinandersetzung wird dargestellt.

Hier ein Auszug aus einer Arbeit von mir. Es geht um die Erfahrungen, die wir im Projekt machten.

Die Schüler der Geschichts-AG bereiteten zusammen mit dem Jugendgemeinderat in Waldkirch diese Veranstaltungen vor. Es kam zu öffentlichen Diskussionen über die Bilder. Diese Bilder waren als Durchhaltepropaganda in den Jahren 1942 und 1943 von einem zweitrangigen Kunstmaler im Rathausflur auf Putz gemalt worden. Sie verherrlichen die nach Ostenblickenden Soldaten, die von Arbeitern ihre Waffen gereicht bekommen. Auf einem anderen Teil des Bildes werden „pseudo-germanische Bauern“ gezeigt und eine stillende germanische Bäuerin, beschützt durch schwerttragende Männer. In unseren Augen sind die Bilder gefährlicher und verharmlosender NS-Kitsch. Schließlich stellte der Jugendgemeinderat einen Antrag in Bezug auf diese NS-Propagandabilder. Der Gemeinderat befasste sich mit diesem Antrag in einer öffentlichen Sitzung, an der die Schüler des Geschichtsprojekts teilnahmen. Der Antrag des Jugendgemeinderats wurde abgelehnt. In diesem Zusammenhang wurden Schüler des Projekts und ich selbst von mehreren Zeitungen und dem SWR-Fernsehen und Rundfunk interviewt. So wurde unserem Projekt landesweite Aufmerksamkeit geschenkt. Die Schüler waren zwar vom Abstimmungsergebnis im Gemeinderat enttäuscht, aber sie hatten die Praxis unserer Demokratie „hautnah“ erlebt. (aus: Ulrich Fischer-Weissberger Förderung von Zivilcourage durch Erinnerungsarbeit am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Waldkirch, Bewerbung um den Hosenfeld-Szpilman-Gedenkpreis 2009, S. VII-VIII)

Im Laufe von Renovierungsarbeiten im Jahr 2019 wurden die Bilder entfernt.

Interview mit dem Bundespräsidenten Johannes Rau zu Heinz Drossel

Am 21.September 2001 interviewten Schülerinnen und Schüler des Geschichtsprojekts den damaligen Herrn Bundespräsidenten Johannes Rau, er erzählte uns von seiner Kindheit im zerbombten Deutschland und verwies darauf, wie wichtig es sei, sich mit der Vergangenheit und mit Rettern in Uniform wie Heinz Drossel zu beschäftigen. Nach dem Gespräch mit uns besuchte der Bundespräsident Heinz Drossel in Simonswald und gratulierte ihm zu seinem 85. Geburtstag.

Virtuelles Museum zum Stillen Helden Heinz Drossel

Leider werden Flashplayer von den meisten Computern nicht mehr unterstützt, wir werden die Filme deshalb neu bearbeiten.

Bis zu seinem Tod 2008 waren wir vom Geschichtsprojekt am Geschwister-Scholl-Gymnasium eng mit Heinz Drossel befreundet. Zu seinem Andenken gestalteten wir dieses virtuelle Museum im Schuljahr 2008/09.

Sie benötigen, um das Museum anzuschauen einen Flashplayer.