veränderte Fassung vom 8.2.2026
Den folgenden Text hatte ich im Februar 2025 an die damaligen Mitglieder des Domchores und an die Chorakademie gerichtet. Heute (8.2.2026) möchte ich diesen kritisch auf dem Hintergrund neuer Erkenntnisse und Informationen kommentieren.
Durch diese Kommentare verliert der Text leider etwas an Stimmigkeit. Die Kommentare schreibe ich in roter Schrift.
Aussagen, von denen ich mich heute distanziere, sind schwarz, kursiv und fett geschrieben.
Mein Ton in dem Text ist sehr selbstbewusst, obwohl mir hätte bewusst sein müssen, dass ich vertrauensselig und naiv geschrieben und gehandelt habe, dabei hatte ich auf die Aussagen Herrn Böhmanns vertraut. Immer noch verstören mich die Ereignissen in der Weihnachtszeit 2024/25. Vor allem dass die Geistlichen nur in den höchst emotionalisierten Situationen nach den Gottesdiensten mit Einzelnen von uns Chören „ geredet“ haben. Erzbischof Burger war für uns nicht ansprechbar. Ich frage mich heute, warum niemand zu uns kam und uns schlicht sagte, dass Herr Böhmann es nicht erlaubte, dass der Domfabrikfonds mit uns über die Gründe für die Kündigung redet.
Dies hat sich heute glücklicherweise geändert.
Heute sind mir vor allem mein Verhalten nach der Messe an Dreikönig und meine Worte im Interview im SWR peinlich und ich bedauere sie.
Dafür möchte ich mich bei allen Beteiligten entschuldigen.
Einordnung und Klarstellung meiner Position zur Dommusik
Uli Fischer-Weissberger, 6.2.2025
Ich will singen, das ist mein Ziel. Viele sag(t)en, wir bräuchten hierfür einen langen Atem. Es gilt aber auch ebenfalls trotz der tiefen Verletzungen, die wir und vor allem unsere Chorvertreter erfahren haben, ansprechbar zu sein. Wir sind anders und lassen uns den Hass der anderen nicht aufzwingen, wir gaben und geben ein anderes Bild ab (hier ein kleiner Hinweis auf eine Geschichte aus der jüdischen Weisheit: https://de.chabad.org/ library/article_cdo/aid/547539/jewish/Das-Herz-ist-ein-Spiegel.htm).
Wenn ich die Kommentare in der Whatsappgruppe des Domchores durchgehe, so fällt mir auf, dass neben einigen mäßigenden Stimmen, es doch sehr scharfe und teilweise beleidigende Kommentare gab. Leider habe ich dort nicht eingegriffen, mich aber wenige Male informativ und mäßigend geäußert. Dabei wollte ich vor allem über die Gründe für die Kündigung reden. Hier mein Kommentar vom 28.12., als es um das Gespräch unseres Chorvorstandes mit Herrn Domprobst Birkhofer und Herrn Erzbischof Stephan ging:
Nur kurz: Ich würde mir nicht überlegen, was die wollen, sondern darauf bestehen, dass nur über die Kündigung geredet wird und über einen möglichen Kompromiss, also Übergangszeit usw.(WhatsApp, 28.12.2025, ich möchte nicht andere Kommentare zitieren, da der Chat privat ist)
Es geht mir nicht darum, eine Konkurrenzstruktur zur Dommusik aufzubauen, sondern in jetzigen Zeiten einen Platz, ein Exil zu haben. Es gilt der Dommusik weiterhin ein Angebot zu machen, sich so zu verändern, dass das, was über Jahre aufgebaut wurde, erhalten bleibt. Dies ist mein Ziel.
Ich werde weiterhin im ehemaligen Domchor bleiben und mich nicht weiter in der Chorakademie engagieren. Ich hoffe, dass wir mein Ziel nicht aus den Augen verlieren, die Dommusik im Sinne des vormaligen Domkapellmeisters Monsignore Raimund Hug wiederzubeleben.
Die Auseinandersetzungen in der Dommusik haben jetzt dazu geführt, dass große Teile der Chöre nicht mehr in der Domsingschule stattfinden. Nur noch marginale Gruppen finden sich in der Domsingschule ein. Viele sind aus den Chören, ja sogar aus der Kirche ausgetreten. Es entstehen neue Strukturen außerhalb der Dommusik. Sie haben sich bis jetzt noch nicht verfestigt, aber sie bewirken, dass die jeweiligen Formationen zusammenbleiben.
Wenn sich der Erzbischof und der Weihbischof nicht schnellstens bewegen, werden sich diese neuen Strukturen verfestigen.
Heute kann ich sagen, dass der Domfabrikfonds sich bewegt hat und eine neue Kultur in der Dommusik Einzug gehalten hat. Es gibt ein neues Miteinander aller Chorformationen und wir sind in einem gewinnenden Austausch mit dem Domfabrikfonds. Mir ist mittlerweile klar, dass dies mit Herrn Prof. Böhmann nicht möglich gewesen wäre.
Dies bedeutet, dass die Dommusik auf Jahre hinaus massiv beschädigt sein wird, dass das Lebenswerk von Monsignore Raimund Hug in Trümmern liegen wird und dass das Musikleben in der Stadt beeinträchtigt und vor allem im Münster nur notdürftig am Leben gehalten werden wird.
Zum Glück stellt sich die Situation heute anders dar. Die Dommusik kann ihre Aufgaben erfüllen, wobei vor allem die Domsingknaben massiv beschädigt wurden. Mittlerweile singe ich in der Domkapelle und ich spüre eine neue Qualität, wie meine Mitsänger*innen mir bestätigen; Frau Karle ist eine hervorragende Chorleiterin, die vor allem unseren A-Capella-Gesang auf ein neues Niveau gehoben hat.
Die Dommusik hat eine langjährige Tradition, diese aufzugeben, lehne ich ab. Meine Familie und ich haben erlebt, wie der Umzug von der Alten Wache ins Dompalais stattfand. Wie Domkapellmeister Raimund Hug seine volle Energie und Liebe in den Dienst an der Dommusik gestellt hat.
Die Bedingungen für das Singen und die Singerziehung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die Möglichkeiten, die das Dompalais für alle geboten hat, wurden auf ein hohes Niveau gehoben, dies alles wird sich massiv verschlechtern. Für uns alle, v.a. die Kinder und Jugendlichen, war das Dompalais ein zentraler Ort in Freiburg, um anders als in der Schule oder sonstwo zusammenzukommen. Auch für Kinder und Jugendliche, deren Eltern nicht so gut betucht waren, bot die Domsingschule eine Möglichkeit für eine gute musikalische (Aus-)Bildung.
Ich halte es für falsch, der Kirche den Rücken zu kehren. Ich halte es für wichtig, sich klar zu machen, dass die autoritären Strukturen innerhalb der Kirche – und das war schon immer so – es möglich machen, dass zwei Geistliche die jetzigen Zerstörungen anrichten können.
Dass Herr Prof. Böhmann massiv daran beteiligt war, ist mir klar geworden. Die Auseinandersetzungen in der Dommusik kann und will ich nicht kommentieren. Dass es dem Domkapellmeister nicht gelang, diese über mehr als 15 Jahre zu beenden, ist bedenklich. Dies muss einer Führungskraft gelingen.
Sie haben aber auch die Möglichkeit, dies rückgängig zu machen, wenn sie auf uns zugehen und uns substanzielle Angebote machen. Die angekündigte Aufarbeitung darf nicht nur darin bestehen, Fehler in der Kommunikation zuzugestehen, sondern muss auch einen wirklichen Kompromissvorschlag enthalten und m.E. auch personelle Konsequenzen haben.
Mich verwundert es, dass die indiskutable Kündigung von Domkapellmeister Boris Böhmann (dies bezieht sich nur auf die Art und Weise und nicht auf die Kündigung an sich) für viele Anlass dazu ist, die Kirche als Ganzes in Frage zu stellen. Wenn wir z.B die Geschichte des Umgangs mit den Missbrauchsfällen in der Kirche ansehen, dann wäre hier ein weit gewichtigerer Anlass dazu gewesen, der Kirche den Rücken zu kehren.
Ich habe weder die Kirche noch den Domchor verlassen, meine Mitgliedschaft im Chor ruht.
Und ich weiß, dass die Kirche nicht nur aus diesen Amtsträgern besteht, sondern dass es vor allem die Gläubigen sind, die diese ausmachen.
Es ist dringend geboten, dass der Erzbischof und sein Weihbischof auf die Chöre wirklich zugehen, diese als Gesprächspartner respektieren, dementsprechend handeln und ihr Zerstörungswerk beenden. Ein wirklicher Neuaufbau ist nur in Zusammenarbeit mit den Chören möglich, der völlig undemokratische Domfabrikfonds sollte neu organisiert werden, damit die Dommusik eine Zukunft hat. Dafür sollten wir, auch wenn es unmöglich und absurd zu sein scheint, immer offen sein.
Die Dommusik ist schwer beschädigt, sie wegen des indiskutablen Verhaltens der Kirchenoberen aufzugeben, werde ich nicht unterstützen. Mein Ziel ist es im Geiste der Tradition einen tatsächlichen Neuanfang zu fördern. Diesen sehe ich sowohl im neuen Verein als auch in der Dommusik.
Mittlerweile sind die Veränderungen in der Dommusik eingetreten, die Art und Weise, wie die Neubesetzung der Domkapellmeisterstelle zustande kam, war sehr erfreulich. Die Kirche und ihre Vertreter haben sich bewegt. Zwar bin ich noch immer davon überzeugt, dass ihr Verhalten in und nach der Christmette unangemessen war und es falsch war, nicht mit den Chören direkt zu reden. Die Chorakademie hat sich meines Erachtens als Konkurrenz zur Dommusik erwiesen. Es wird leider noch Jahre dauern, bis vor allem die Domsingknaben wieder auf ihrem alten Niveau singen können.
Die Schärfe und der Ton, den ich gegen die Kirche und ihre Vertreter im ursprünglichen Text anschlage, sind unangemessen. Dafür möchte ich mich entschuldigen.