Es ist zutreffend, dass die Kommunikation der Kirchenobrigkeit zu den Ereignissen in der Weihnachtszeit 2024/25 am Freiburger Münster katastrophal war. Dies ist aber nicht mit dem Verhalten einzelner zu erklären. Dahinter steckt eine Haltung, die von der Überzeugung geprägt ist, Recht zu haben und sich von „Gott“ ermächtigt zu sehen. Es ist eine undemokratische Haltung, die Fakten und die gesellschaftliche Realität verleugnet. Leider prägt diese Haltung nicht nur den Diskurs der Kirchenoberen, sondern prägt auch die öffentliche Auseinandersetzung und den Diskurs der Betroffenen innerhalb der jeweiligen „Blasen“.
Das Ideal der demokratischen Kommunikation
Das Negativ der autoritären Kommunikation
Hinweise
Zu meinen Filmen im Zusammenhang der Vorkommnisse um die Kündigung von Prof. Boris Böhmann: https://vimeo.com/showcase/11523520. Sie stehen auch unten auf dieser Seite.
Die folgenden Texte und Filme von anderen und mir sind eine Art Chronik der Geschehnisse rund um die Kündigung von Herrn Domkapellmeister Prof. Boris Böhmann und zeigen die Reaktionen der Chöre und der Kirche aus der Sicht eines betroffenen Mitglieds des Domchores.
und habe mich aus beiden Chorformationen (Domchor und Chorakademie) vorerst zurückgezogen. Die Geschehnisse um die Kündigung haben mich emotional sehr mitgenommen und heute sehe ich deutlich, wie meine Sicht der Dinge von diesen Emotionen bestimmt war und ich in meiner emotionalen Blase vom Verhalten der Kirchenoberen darin bestärkt wurde. Erschreckt hat mich dabei, wie meine berechtigte Empörung mein Urteilsvermögen beeinträchtigte. Seither versuche ich zu einer ausgewogenen Position zu gelangen und hoffe, dass ich dabei helfen kann, dass in der Auseinandersetzung das Gegenüber und seine Argumente wieder mehr wahrgenommen wird.
Zentral beschäftigt mich bei diesem ganzen Komplex: Wie wurde ich Teil dieses Geschehens? Welche Ereignisse haben mein Verhalten und meine Haltung(en) maßgeblich beeinflusst? Welche sozialen und gruppendynamischen Faktoren haben mich in diesem Geschehen geprägt?
Ich möchte ausschließlich von meinen Erfahrungen und meiner Perspektive ausgehen. Es geht mir nicht darum, andere am Prozess Beteiligte herabzusetzen oder zu verurteilen. Es geht um meine Sicht auf die Vorgänge, um meine Befindlichkeiten und Gefühle. Mir ist klar, dass ich vieles, was die Tatsachen betrifft, nicht weiß und nicht wissen kann. Da sind wir aber schon mitten bei einem Kernproblem: Es wurde und wird in dieser Angelegenheit Wesentliches nicht offen kommuniziert. (Dass dies aus arbeitsrechtlichen Gründen so sein muss, ist mir völlig klar.) Es sind immer die „Anderen“, die angeblich aus niederen Motiven handeln und ihre Macht missbrauchen.
Der Domchor
Seit 2009 singe ich im Bass des Domchores. Ich fühlte mich dort sehr wohl, gerade auch weil hier unterschiedliche Menschen eine gute und wertschätzende Gemeinschaft bildeten. Herr Böhmann leitete den Chor zumeist freundlich und zugewandt. Vor allem in den Anfangsjahren war ich von seinem damals sehr „distanzierten“ Verhalten befremdet. Sehr angetan war ich von den Chorfahrten und das Singen im Münster war für mich eine große Bereicherung. Die Querelen und Streitigkeiten in der Dommusik interessierten mich nicht.
Die Situation von Oktober bis Weihnachten 2024
Im Oktober 2024 änderte sich das. Aus der Zeitung erfuhr ich, dass Herr Böhmann im Juli gekündigt worden sei und dass er einen Arbeitsprozess um diese Kündigung verloren habe. Wir alle waren empört, zumal der Domfabrikfonds keine Gründe für die Kündigung nannte. Herr Böhmann versicherte uns, dass ihm keine Gründe genannt worden seien und es keine Gründe gebe.
Wir versicherten Herrn Böhmann unsere Solidarität und wollten gerade jetzt in dieser Situation unsere Verpflichtungen im Chor weiter erfüllen und unseren Chorvorstand in gewinnenden Gesprächen mit dem Domkapitel unterstützen.
In den Gesprächen nach den Proben in dieser Zeit unterhielten wir uns intensiv über die Kündigung und wie es dazu kommen konnte. Dabei spielte eine zentrale Rolle, dass die Kündigung in der Form, Betrieb mit nur 7,5 Angestellten kann Mitarbeiter ohne Angabe von Gründen kündigen, zwar rechtlich möglich, aber moralisch nicht statthaft sei. Herr Böhmann versicherte mehrfach, dass es keine Gründe gebe. Ebenfalls sprachen wir über die Streitigkeiten in der Dommusik. Einige, die die Konflikte länger verfolgten, versicherten, dass Herr Böhmann von Frau van Lengerich und von Weihbischof Dr. Birkhofer gemobbt werde und ihm sein Arbeiten sehr erschwert wurde. Hier ein paar Stichpunkte: ungerechtfertigte Abmahnungen, Änderungen ohne Absprache in Bezug auf das Programm und die Leitung der Domsingschule, Verschleppung des Konzepts zur Prävention gegen Missbrauch, Abschaltung der Website, Nichtbesetzung von Stellen, keine Gespräche zwischen Herrn Böhmann und den „Kirchenoberen“, sondern nur Anweisungen.
Nur wenige relativierten dies, indem sie auch Herrn Böhmann einen Anteil an den Spannungen gaben: Verweigerung von jeglicher Zusammenarbeit mit Frau van Lengerich, Nichtbilligung bzw. Abhalten vom Mitsingen bei Projekten der Mädchenkantorei, Verweigerung von Mediationsangeboten.
Wir gingen davon aus, dass versucht wurde, Herrn Böhmann systematisch aus der Dommusik hinauszudrängen.
Selbstverständlich ist es korrekt, dass man aus arbeitsrechtlichen Gründen nicht alles preisgibt. Bei mir entstand aber der Eindruck, dass der Domfabrikfonds als Arbeitgeber keine Gründe für die Kündigung habe. Dass dieser nicht von der Schweigepflicht als Arbeitgeber von Herrn Böhmann entbunden war, wusste ich nicht. Der Domfabrikfonds konnte somit keine Gründe nennen, wie dieser auch mehrfach versicherte.
In einem Gespräch mit Herrn Böhmann wurde deutlich, dass, falls die Kündigung stattfinden würde, es einen „Plan B“ gebe, um die Chöre unter der Leitung von Herrn Böhmann weiterzuführen.
In dieser Zeit führte ich auch mehrere Gespräche mit einer Elternvertreterin der Domsingknaben. Sie versicherte, dass Herr Böhmann massiv von Eltern der Mädchenkantorei daran gehindert worden sei, das überfällige Missbrauchskonzept durchzuführen und die Abmahnungen, die er deswegen vom Domfabrikfonds erhalten habe, eine perfide Umkehr der Tatsachen gewesen seien. Sie äußerte, dass sie in einer Institution, in der ihre Kinder nicht geschützt seien, keinen Platz habe.
Auf einem Elternabend der Domsingknaben, meine Frau und ich vertraten unseren Enkel, solidarisierten sich die anwesenden Eltern mit Herrn Böhmann, kritisierten die Kirche scharf wegen der scheinbar willkürlichen Kündigung und beschlossen einen Flashmob als Protest zu organisieren.
Der Flashmob fand am 7.12.2024 auf dem Münsterplatz statt.
„Man sollte die Gründe für die Kündigung offenlegen, ohne einen triftigen Grund wird keiner entlassen.“
„Der Arbeitgeber darf sich aus Datenschutzgründen dazu nicht äußern. Das ist die Zwickmühle, in der sich der Erzbischof befindet.“
„ Herr Böhmann prozessiert seit Jahren. Da wird er die Gründe doch wohl kennen.“
Die Empörung über die Kündigung war sehr groß. Was uns Herr Böhmann bedeutete und wie die meisten von uns die Situation sahen, zeigt ein Film, den ich am 22.12.2024 veröffentlichte.
Die Chorakademie
Nachdem die öffentlichen Aktionen beendet waren, wurde am 15.2.2025 die Chorakademie Freiburg gegründet. Sie sollte die Arbeit der Chöre unter der Leitung von Herrn Böhmann ermöglichen. Dadurch kam die Chortätigkeit in der Dommusik in große Schwierigkeiten, die Domsingknaben wechselten fast geschlossen in die Akademie.
Heute (2.6.2025) findet die Chorarbeit in der Dommusik sehr „reduziert“ statt. Die Chorakademie kann bisher nicht in kirchlichen Räumen in Freiburg auftreten.
Ein vorläufiges Fazit
Vor allem die Form der Kündigung führte dazu, dass nicht offen über die Gründe kommuniziert wurde. Die meisten von uns waren empört und betroffen wegen der unversöhnlichen Haltung des Domkapitels. Dies führte dazu, dass es hauptsächlich um die Streitigkeiten in der Dommusik ging. Es ging aber nicht darum, dass die Streitigkeiten mindestens 15 Jahre lang vom Leiter der Domsingschule nicht beigelegt wurden. Deshalb verwundert es mich heute, dass die Kündigung nicht schon viel früher erfolgte. Die Verlautbarungen des Domfabrikfonds, dass es nicht um die Qualitäten Herrn Böhmanns als Chorleiter und künstlerischer Leiter ginge, hätten mich stutzig machen sollen. Dass Weihbischof Birkhofer und Erzbischof Stephan den Chören jegliche Gespräche verweigerten, verschärfte die Situation enorm. In einem Gespräch am 26.2.2025 in der Domsingschule (nach den ganzen Vorkommnissen), an dem Vertreter des Domkapitels und (ehemalige) Mitglieder des Domchores teilnahmen, wurde mir deutlich, dass Herr Böhmann gekündigt wurde, weil er die Probleme in der Domsingschule nicht konstruktiv löste. Inwiefern ihm dies unmöglich oder sehr schwer gemacht wurde, weiß ich nicht.
Auf einem Elternabend der Domsingknaben im März wurde die Spaltung überdeutlich. Der Gesprächsversuch mit Vertreterinnen der Chorakademie scheiterte, so wurde mir berichtet, an der unversöhnlichen und wütenden Haltung dieser Vertreterinnen.
Ebenfalls im März berichtete die Badische Zeitung, dass das Domkapitel und Herr Böhmann sich außergerichtlich geeinigt hätten.
Zurück bleiben eine beschädigte Dommusik und deren Mitarbeiterinnen.
Die Ereignisse zur Weihnachtszeit
Im folgenden möchte ich (meine) in dieser Zeit geschriebenen Texte und Medien anführen. (Sie sind grau unterlegt.) Ich bitte Sie zu beachten, sie auf dem Hintergrund der jeweiligen Situation zu bewerten.
Bevor Sie die Ereignisse und Zusammenhänge, die Texte und Filme durchgehen, möchte ich auf Folgendes hinweisen:
Die Handelnden, hier Herr Böhmann, seine Unterstützer in den Chören und die Mitglieder des Domkapitels, an ihrer Spitze Weihbischof Birkhofer und Erzbischof Stephan, sprechen unter sich, befinden sich in ihrer jeweiligen Blase, unterstellen der anderen Seite niedere Motive und blenden eigene Versäumnisse und Fehlverhalten aus. So gewinnen sie ihre Haltung, die sie in der Öffentlichkeit zeigen. Dort erfahren sie Unterstützung und Ablehnung und bekämpfen sich gegenseitig.
In seinem internen Raum schweißt man die Menschen zusammen und tritt vollkommen von sich überzeugt in der Öffentlichkeit auf. Es steht die Machbarkeit oder Macht im Vordergrund und nicht eine sachliche Suche nach Kompromissen. Das heißt auf Seiten der Chöre, Herrn Böhmann als Chorleiter durchzusetzen und der Dommusik den Rücken zu kehren. Auf Seiten der Kirchenleitung, Herrn Böhmann zu entlassen und zu desavouieren und dabei die Unterstützer als Mitglieder der Kirche möglichst zu sich herüberzuziehen.
Deshalb werden Tatsachen ausgeblendet, geleugnet oder verschwiegen, weil sie den jeweiligen Zusammenhalt gefährden würden. Die Menschen außerhalb der jeweiligen „Blase“ werden als naiv oder manipuliert dargestellt. Die teilweise überzogene Berichterstattung in der BZ wird als lügnerisch im Dienste der kirchlichen Obrigkeit angesehen. Die Beteiligten befinden sich in ihrem Tunnel, ein Miteinander, Kommunikation ist kaum möglich. Auf der Strecke bleiben die Dommusik und insbesondere deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Es wäre geboten, dass eine sachliche und offene Bestandsaufnahme gemacht würde. Es besteht wenig Hoffnung dazu.
Eine kurze Chronik der Ereignisse
24.12.2024
Christmette: Beifall für die Domsingknaben, Erzbischof Stephan „erstarrt‘‘ am Altar, Übertragung des Gottesdienstes im Netz wird unterbrochen, als der Bischof nach ca. 7 Minuten beginnt den Abschlusssegen zu sprechen, gibt es einzelne Lacher. Der Erzbischof bezeichnet das Ganze als „bewusste Störung“, ich sehe es als demonstrativen Beifall für die Kinder und Jugendlichen und für Herrn Böhmann.
25.12.2024
Im Pontifikalamt applaudieren die Gemeinde und der Chor Herrn Böhmann und dem Chor beim Auszug des Bischofs, nachdem der Chor das Abschlusslied „O du Fröhliche“ zusammen mit der Gemeinde gesungen hat.
Mein Film dazu
30.12.2024
Freistellung von Herrn Böhmann
31.12.2024
Silvestergottesdienst, stiller Protest im Gottesdienst
Mein Film dazu
6.1.2024, Dreiköng
Protestsingen nach dem Gottesdienst
Mein Film dazu
18.1.2025
Demonstration für den Erhalt der Dommusik mit Boris Böhmann und für Gerechtigkeit und Fairness
Abschluss der öffentlichen Aktionen
Mein Film dazu
Wir wollen weiterhin mit Domkapellmeister Prof. Boris Böhmann singen.
Wie Erzbischof Burger und Weihbischof Birkhofer mutwillig unsere Chorgemeinschaft zerstören wollen.
Seit Wochen schon kämpfen die Chöre der Freiburger Dommusik gegen die skandalöse Kündigung von Domkapellmeister Boris Böhmann.
Unerbittlich und ohne jegliches Verständnis gehen die Kirchenoberen Freiburgs gegen Domkapellmeister Boris Böhman und seine Chöre vor.
Nach den Vorkommnissen in der Christmette und im Pontifikalamt am 1. Weihnachtsfeiertag – Viele Gottesdienstbesucher hatten den Domsingknaben, dem Domchor und Domkapellmeister Böhmann applaudiert. – wurden unsere Chorvorstände und Herr Böhmann getrennt ins Erzbischöfliche Ordinariat eingeladen. Dort wurden keine ergebnisoffenen Gespräche über die jeweilige Situation oder Position geführt. Nein unseren Vertreterinnen und Vertretern wurde mitgeteilt, was beschlossen worden war.
Herr Domkapellmeister Böhmann werde von seinen Amtsgeschäften freigestellt.
Dass ihnen die Folgen für die von ihren Maßnahmen Betroffenen egal sind, wird auch durch Floskeln, die Betroffenheit heucheln, nicht besser (Dies kann man dem Film zum Silvestergottesdienst gut entnehmen).
Von vielen Chormitgliedern und Eltern von Domsingknaben weiß ich, dass sie gesundheitliche und seelische Schäden durch das Verhalten, den in meinen Augen offensichtlichen Machtmissbrauch, der beiden Kirchenoberen davongetragen haben und Herr Böhmann scheint auch sehr angegriffen zu sein.
Kurz möchte ich hier auf die Bibel verweisen:
Im Gleichnis vom barmherzigen Samariter geht der Priester erbarmungslos am schwerverletzten Opfer vorbei.
Herr Erzbischof!
Wer ist ihr Nächster?
Was hätten Sie Jesus auf seine Frage hin geantwortet?
Die Situation am 25.1.2025
Immer mehr werden Anschuldigungen gegen Prof. Böhmann und dessen Unterstützerinnen und Unterstützer laut. Die langjährigen Spannungen in der Dommusik und das angebliche Fehlverhalten von Herrn Böhmann sollen von der indiskutablen Verhaltensweise des Domfabrikfonds ablenken. Jetzt geht es sogar in meinen Augen so weit, die Unterstützerinnen und Unterstützer Böhmanns in die Nähe von Verschwörungstheoretikern oder Wutbürgern zu rücken. Das Zitat aus dem Artikel, den ich im Folgenden analysieren werde, spricht vor allem in seiner Wortwahl für sich: „Der Furor dieser Auftritte, die Rigorosität der Forderungen und die Verachtung, mit der Kritiker des Domkapellmeisters angegriffen werden, muten geradezu bizarr an.“ (Badische Zeitung, 25.1.2025, S.4)
Textanalyse des in meinen Augen Stimmung gegen Herrn Böhmann und die Chöre machenden Artikels „Enttäuschung bricht sich Bahn“ aus der Badischen Zeitung
Im angehängten Text gebe ich den Artikel im Wortlaut wieder, habe Wesentliches angestrichen und kommentiere ihn.
Die Analyse ist bis auf eine Passage auf Seite 3 noch zutreffend: In dieser Passage geht es um die Verschwiegenheitspflicht des Domfabrikfonds in Bezug auf die Kündigungsgründe und diese Gründe selbst. Wie oben schon erwähnt, erweckte Herr Böhmann den Eindruck, dass es keine gäbe und der Domfabrikfonds deshalb keine nennen könnte. Hier stimme ich der Autorin ausdrücklich zu, Herr Böhmann hätte die Verschwiegenheitspflicht aufheben müssen.
Ein sehr erhellender Leserbrief zu den Artikeln in der Badischen Zeitung
Ich habe den Eindruck, dass dies die Art und Weise ist, wie die beiden „Kirchenfürsten“ Gespräche führen, wenn es gegensätzliche Auffassungen zu den ihrigen gibt.
Leserbrief zum Artikel „Enttäuschung bricht sich Bahn“, Ausgabe vom 25. Januar 2025, Sigrun Rehm, S. 4 und „Im Fall des gekündigten Freiburger Domkapellmeisters werden Mobbingvorwürfe laut“, online am Mittwoch, 22. Januar 2025 (18:50), Joachim Röderer und Sigrun Rehm.
Mit aller Macht Mit aller Macht wird nun versucht, die vom Freiburger Domkapitel verursachte kommunikative Katastrophe bezüglich der Kündigung des Domkapellmeisters, Herrn Prof. Böhmann, zu beseitigen: öffentlichkeitswirksam weist man die Schuld von sich, wäscht die Hände in Unschuld und modelliert im Gegenzug dazu die Unterstützerinnen von Herrn Böhmann zu „Störern“ und „Kirchenhassern“, die pars pro toto, so der Pressesprecher des Ordinariats in einem aktuellen Kommentar in CiG (Christ in der Gegenwart), die Verrohung der Gesellschaft repräsentierten. ‚Die‘ Sängerinnen werden möglichst komplexitätsreduziert gleichsam als häretisches Kollektiv diffamiert – ein mittlerweile allseits bekanntes und produktives rhetorisches Muster nicht erst des Social-Media Zeitalters.
So einfach zur Normalität zurückzukehren, wie man dies offenbar auch mithilfe dieser kommunikativen Strategie erwartet hatte, wird nicht gelingen, ohne endlich die direkte Kommunikation mit den betroffenen Sängerinnen zu suchen und eine eigene Fehleranalyse zu betreiben. Welche andere Möglichkeit blieb den betroffenen Sängerinnen als Kritik und Protest? Welche Alternative gab es, sich Gehör zu verschaffen, nachdem alle Gesprächsangebote abgewiesen wurden? Dass die dadurch emotional aufgeladene Situation stellenweise über die Stränge schlägt, ist in der Tat bedauerlich und persönliche Angriffe fehl am Platz, ebenso jedoch wie die Umdeutung der Protestierenden zu Störern und Wutbürgern. Es sollte klargestellt werden: Die Sängerinnen sind weder Störer noch ‚Kirchenhasser‘ . Sie sind bestürzt über das Vorgehen der Bistumsleitung, über die Kälte, die den Sängerinnen nach Jahrzehnten des Ehrenamts entgegenschlägt, darüber, wie mit Herrn Prof. Böhmann umgegangen wird und die Proteste der Sänger*innen gegen eben diese kritikwürdige Art des Umgangs zur Ursache allen Übels umgedeutet und ausgenutzt werden. Verwunderlich aber ist die Eskalation der kommunikativen Krise derweil nicht: Systembedingte Intransparenz, Vulnerabilitätsparadox und Klerikalismus lassen es nicht zu, offen mit dieser vielschichtigen Situation umzugehen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.
Das bedeutet, dass er uns nicht mehr dirigieren kann und er die Domsingschule nicht mehr betreten darf.
Mit aller Macht sollte den Verantwortlichen in der Bistumsleitung daran gelegen sein, nicht alle Energie darauf zu verwenden, das eigene Handeln im Rückblick möglichst plausibel darzustellen, denn hierzu müsste zuallererst von Seiten des Ordinariats erklärt werden, warum die Geschäftsordnung kurzfristig geändert, der Domfabrikfonds zum Kleinbetrieb gemacht und nach ersten Protesten Anfang Dezember zum Mittel der Falschinformation bezüglich der Kommunikation mit den Chören gegriffen werden musste etc. Vielmehr müsste mit aller Macht daran gelegen sein, das Vorgehen umfänglich und transparent zu erklären. Mit aller Macht muss darüber hinaus eine Fehleranalyse betrieben werden. Mit aller Macht nur die Gegenseite als Schuldige zu markieren, wird der Situation nicht gerecht und trägt letztlich nur dazu bei, die Macht auf der einen Seite dazu zu nutzen, die Ohnmacht auf der anderen Seite zu erhalten.
Maria Weber, Freiburg
BZ-Artikel vom 23.1.2025
In diesem Artikel werden massive Vorwürfe gegen Prof. Böhmann geäußert. Die Berichterstattung geht nur auf die Seite des Domkapitels und die Unterstützerinnen und Unterstützer von Mobbingvorwürfen gegen Herrn Böhmann ein. Es ist wichtig, dass auf diese Vorwürfe eingegangen wird. Für mich bleibt vor allem wichtig, dass das skandalöse und völlig unangemessene Verhalten von Erzbischof Burger und Weihbischof Birkhofer nicht aus dem Fokus der Diskussion „verschwindet“.
Wie die kirchliche Obrigkeit mit uns umspringt, zeigen die letzten Tage überdeutlich:
Gestern trat der gesamte Vorstand des Domchores zurück. Zuvor hatte dieser ein Schreiben des Sekretariats von Weihbischof Birkhofer erhalten. In diesem lehnte er jegliche Gespräch über unsere Situation mit dem Vorstand ab, bis die arbeitsrechtliche Situation von Herrn Böhmann geklärt sei (das wird frühestens im Sommer sein). In dem Schreiben, das seine Sekretärin unterschrieben hat, verweist er dann darauf, dass Sängerinnen und Sänger, die weiterhin singen wollten, dies ja tun könnten. Dass dieses unseren Vorstand völlig missachtende Schreiben zum Rücktritt des Vorstands führte, ist nur zu verständlich. Es zeigt, wie es um die Gesprächsbereitschaft der Kirchenoberen bestellt ist. In meinen Augen verbreiten diese Lügen und heucheln Offenheit. An einer Klärung und Aufarbeitung der Vorkommnisse sind sie nicht im mindesten interessiert. Rücksichtslos wollen sie ihre „Scheinlösung“ durchsetzen. Damit werden sie aber bei uns nicht durchkommen.
Ähnlich ist auch ihr Verhalten in Bezug auf die Domsingknaben. Hier führten sie ein Gespräch mit den Elternvertreterinnen, in dem sie eine Aufarbeitung in Aussicht stellten. Am folgenden Tag, nachdem die Elternvertreterinnen ihren Rückzug aus dieser Position bekannt gegeben hatten, die Situation schien für sie in den letzten Wochen zu belastend zu sein, und sie glaubten, einen Anknüpfungspunkt für weitere Gespräche geschaffen zu haben, – wurde bekannt, dass schon Konzerte unter der Leitung von Frau van Lengerich und dem aufoktroyierten „Neuen“ geplant seien. Dies war mit keinem Wort im Gespräch zuvor erwähnt worden.
Abschließend gilt es festzuhalten: In der Öffentlichkeit wird der Anschein erweckt, dass die Kirchenobrigkeit gesprächsbereit sei. Das ist nicht der Fall, es wird folgendes Narrativ in die Welt gesetzt: „Wir sind gesprächsbereit, wir wollen aufarbeiten.“ Das Gegenteil ist der Fall. Gespräche werden in eine unabsehbare Zukunft verschoben, es wird Öl ins Feuer gegossen und die Kirchenoberen gerieren sich als Opfer von „Emotionen“, dabei strafen sie die Chöre mit Missachtung und Respektlosigkeit. Dazu kommt noch, dass beim Gespräch mit den Elternvertreterinnen der Domsingknaben so getan wird, als wolle man nun gemeinsam in und für die Zukunft planen und dabei das Vergangene berücksichtigen. Am Tag nach dem Gespräch werden dann Planungen bekannt, die dem Besprochenen diametral entgegenstehen.
Es ist somit folgerichtig, dass die Chöre sich dieses die Öffentlichkeit irreführende Verhalten nicht bieten lassen.
Es kam zu folgender Pressemitteilung des Domchorvorstandes:
Pressemitteilung
Rücktritt des Vorstandes des Freiburger Domchores
Nachdem eine Anfrage des Domchores um ein zeitnahes Gespräch mit der Diözesanleitung gestern von der Sekretärin des Weihbischofs Dr. Birkhofer abgewiesen wurde, sieht der Vorstand keine Grundlage mehr für eine Zusammenarbeit und ist mit sofortiger Wirkung geschlossen zurückgetreten. Die Weigerung mit uns zu sprechen ist umso irritierender, als Erzbischof Stephan Burger noch in seiner Silvesterpredigt an die Chöre gewandt erklärt hatte: “ Wir brauchen Sie alle“.
Die Mitgliedschaft der Sängerinnen und Sänger im Domchor bleibt davon unberührt.
Es wird sich zeigen, ob und wie viele Chormitglieder nach der Kündigung und Freistellung von Domkapellmeister Professor Boris Böhmann im Domchor weitersingen werden.
Freiburg, 17.Januar 2025
Christel Hoping, Michael Krieg, Jutta Deger, Dr. Johannes Deger, Brigitte Kramer, Norbert Stadelbacher
Wir werden uns dieses Verhalten der Kirchenobrigkeit nicht bieten lassen.
Eklat am Heiligabend: Jetzt kündigen Eltern der Domsingknaben Konsequenzen an. (Focus online)
Freiburger Domsingknaben bleiben aus Protest zu Hause. (Spiegel online)
Eltern von Freiburger Domsingknaben lassen Kinder nach Eklat nicht mehr in die Singschule. (Welt online)
Die Presseerklärung im Wortlaut
Freiburg: 04.01.2025 – Pressemitteilung der Elternvertreterinnen der Freiburger Domsingknaben
Domsingknaben verdienen einen „Safe Space“ – Eltern fordern Aufarbeitung und Zugeständnisse vom Erzbischof
Am gestrigen Elternabend haben sich 60 Eltern und Sänger der Domsingknaben kurzfristig getroffen. Der einhellige Konsens der Elternschaft: Unsere Kinder wollen weiterhin singen, doch die aktuellen Geschehnisse rund um die Domsingschule lassen dies allerdings nicht zu.
Für die Kinder sind die Chöre der Domsingknaben und die Domsingschule am Münsterplatz mehr als nur ein Ort des Musizierens – sie sind ein „Wohnzimmer“, ein sicheres Zuhause inmitten der Stadt. Dieses Zuhause wurde ihnen jedoch verschlossen, und ihr „Safe Space“ mutwillig zerstört: Die Art und Weise, wie das Domkapitel mit den Kindern, Jugendlichen und Eltern umgeht, hinterlässt bei allen den bitteren Eindruck einer systematischen kirchlichen Ausgrenzung. Das „in Ungnade fallen“ des Domkapellmeisters scheint sich nun auf indirekte Weise auch auf die Kinder und Eltern zu übertragen – mit schmerzhaften Konsequenzen.
Unsere Kinder sind die Verlierer dieses Machtspiels
Die Gemeinschaft, die unsere Kinder seit Jahren prägt, wird durch den Erzbischof angegriffen, da er einen Konflikt auf dem Rücken der Kinder austrägt, um eigene Interessen durchzusetzen. Durch das unnachsichtige Agieren des Erzbischofs im Fall Böhmann werden die Kinder einer untragbaren Belastung ausgesetzt.
Aus diesem Grund ist es uns nicht möglich, unsere Kinder bis auf Weiteres in die Domsingschule zu schicken. Auch werden unsere Kinder zunächst nicht an der musikalischen Ausgestaltung von Gottesdiensten im Münster teilnehmen. Dem Interimschorleiter wäre es kaum zumutbar, die Verantwortung in einer derart schwierigen Situation zu übernehmen. Ob die bisherigen hohen pädagogischen und musikalischen Standards unter diesen Voraussetzungen überhaupt gehalten werden können, bleibt zudem fraglich. Den von Erzbischof Burger eingeforderte Neubeginn können wir unter diesen Bedingungen nicht verantworten.
Unsere Forderung: Aufarbeitung und Dialog auf Augenhöhe
Wir fordern von Erzbischof Burger eine umfassende Aufarbeitung, auch vergangener Ereignisse. Es ist jetzt an der Zeit, dass er Verantwortung übernimmt und endlich einen echten Dialog mit den Domsingknaben zulässt. Ein erster Schritt könnte das Gespräch mit Weihbischof Dr. Birkhofer und den Elternvertreterinnen am 15.01. sein.
Für die Elternschaft der Domsingschule:
Die Elternvertreterinnen (ich habe die Namen weggelassen, Anmerkung Fischer-Weissberger)
Mein Kommentar
Bei der skandalösen Kündigung von Domkapellmeister Boris Böhmann geht es nicht nur um die Kündigung selbst, sondern auch um die Art und Weise, wie Erzbischof Burger und Weihbischof Birkhofer als Repräsentanten der Kirche und als Verantwortliche damit umgehen.
In meinen Augen haben sie nicht nur keine offene Dialogbereitschaft gezeigt, sondern auch ihre Fürsorgepflicht gegenüber den Domsingknaben und den anderen Mitgliedern der Chöre der Dommusik nicht wahrgenommen. Diese wurden respektlos abgekanzelt und deren Anliegen nicht beachtet.
Der Beifall für die Kinder und Jugendlichen und den Domkapellmeister in der Christmette wird als Störung gebrandmarkt und nicht als Lob und Zustimmung. Dass Erzbischof Burger so selbstbezogen und beleidigt reagierte, halte ich nicht gerade für souverän und der Situation nicht angemessen. Trotzdem war es ebenfalls nicht angemessen, dass (wenige) ihn deshalb bei seinem ignoranten „Weiterso“ auslachten. Das Ganze deshalb als mutwillige Störung zu bezeichnen, ist aber völlig unangebracht, verdreht die Tatsachen und erzeugt ein diffamierendes Narrativ, das sich durch sämtliche Berichte zu diesem Vorfall zieht.
Abschließend bleibt festzuhalten:
Die Reaktionen der Verantwortlichen des Domkapitels auf den Widerstand gegen die Kündigung von Herrn Prof. Böhmann waren völlig unangemessen.
Die beteiligten Chöre, vor allem die Kinder und Jugendlichen, waren einem Machtmissbrauch mit völlig fehlender Fürsorge ausgesetzt.
Ein Appell
Die Vorkommnisse um die Kündigung von Domkapellmeister Boris Böhmann müssen von unabhängiger Seite geprüft werden.
In Zusammenhang mit der Kündigung von Domkapellmeister Boris Böhmann habe ich fünf Filme gestaltet.
Der erste Film zeigt, was uns Herr Böhmann bedeutet und wie das Verhalten der „Kirchenoberen“ unsere Chorgemeinschaft nachhaltig schädigt. Der mangelnde Respekt uns gegenüber und die Unfähigkeit mit uns zu reden, hat uns sehr enttäuscht.
Weihnachtsgottesdienst
Für uns war es schwer dieses Jahr im Pontikikalamt zu singen. Allzusehr hatte uns das Verhalten von Erzbischof Stephan, Weihbischof Birkhofer und dem gesamten Domkapitel getroffen. Die starre autoritäre Haltung und völlige Verweigerung von jeglichem Gespräch trübte unsere Weihnachtsstimmung erheblich.
Trotz alledem möchte ich durch den folgenden Film zeigen, dass wir gerne und mit Freude in unserem Münster singen und hoffentlich auch in Zukunft singen werden.
Das Pontifikalamt an Silvester
Nachdem Domkapellmeister Böhmann am 30.12.2024 von allen Aufgaben freigestellt wurde, durften wir in der Messe nicht mehr singen. Die Schlösser in der Domsingschule wurden ausgetauscht. Die Demütigung von Herrn Böhmann und uns hatte ihren Höhepunkt erreicht. Mein dritter Film zeigt, dass wir uns diese Unverschämtheiten nicht gefallen lassen.
Unser stiller Protest
Singender Protest an Dreikönig
Wir singen dem Erzbischof ins Gewissen.
Da wir nicht mehr im Münster singen dürfen, singen wir eben vor dem Münster. Der Film zeigt unseren singenden Protest.
Demonstration am 18. Januar 2025
Den vorläufigen Abschluss der öffentlichen Aktionen bildete eine Demonstration in der Freiburger Innenstadt. Wir wollten unseren Protest gegen die ungerechtfertigte Kündigung von Prof. Böhmann und die respektlose Behandlung der Sängerinnen und Sänger durch Erzbischof Burger und Weihbischof Birkhofer in der Öffentlichkeit kundtun.
Ein Brief zum Austritt aus der Kirche
Sehr geehrter Herr Erzbischof, sehr geehrter Herr Weihbischof Dr. Birkhofer, sehr geehrte Mitglieder des Domkapitels,
einige von Ihnen kennen mich noch aus meiner aktiven Zeit als Münsterministrantin (1995-2005). Ich bin der Kirche auch über diese Zeit hinaus treu geblieben, habe Firmvorbereitungen geleitet, 3 Jahre Theologie studiert und bin im Freundes-, Kollegen- und Bekanntenkreis stets diejenige gewesen, welche die Hoffnung zum Ausdruck gebracht hat, dass die Kirche das Potenzial hat zu einer Institution zu werden, die für Gerechtigkeit eintritt, statt ungerecht insbesondere gegenüber Frauen zu agieren.
Diese Hoffnung wurde durch Ihren Umgang mit Boris Böhmann zerstört. Spätestens seit in der Christmette der Livestream abgebrochen und am Weihnachtstag die Orgel genutzt wurde, um den Applaus zu unterbrechen, ist mir bewusst geworden, dass an der Spitze meines Erzbistums Menschen stehen, die kritik- und reflexionsunfähig sind, die nicht fähig sind darüber nachzudenken, was es bedeuten könnte, wenn 1000 Menschen über fünf Minuten applaudieren. Menschen, die nicht nur versuchen diesen Applaus zu ignorieren, sondern auch zu zensieren (selbst die Kommentarfunktion auf der Seite der Erzdiözese ist derzeit auf Facebook deaktiviert) und somit ein Instrument verwenden, das eigentlich die Basis von Diktaturen ist. Menschen, die statt die Verantwortung bei sich selbst zu suchen, versuchen ein Narrativ zu schaffen durch welches der Chor und Herr Böhmann verantwortlich gemacht werden. Weder der Chor noch Herr Böhmann können 1000 Menschen in ihrem Applaudierverhalten beeinflussen. „Mutwillig gebilligt“ haben lediglich Sie den Applaus, Herr Erzbischof. Sie standen am Mikrofon. Sie waren unfähig darauf einzugehen.
Dass Sie Herrn Böhmann in der Folge nicht nur freigestellt haben, sondern die Freistellung auch durch demütigendes Verhalten wie den anscheinend sofortigen Austausch der Schlösser und das Abschalten der Email-Adresse begleitet haben, erfüllt mich mit großer Traurigkeit darüber wie von Ihnen Macht missbraucht wird. Sie behaupten es gäbe Kündigungsgründe. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass diese Kündigungsgründe ihr Verhalten rechtfertigen können.
Zusammenfassend: Sie haben unzutreffende Aussagen verbreitet, Sie haben zensiert, Sie haben bewusst versucht einen Menschen zu demütigen, Sie haben Ihre Machtposition zu ungerechtem und unbarmherzigen Handeln genutzt.
Ich kann deshalb dem Erzbistum Freiburg unter Ihrer Leitung nicht länger angehören und trete am 20.1.25 aus der Organisation Katholische Kirche aus.
Ich stehe dem Domchor ab sofort nicht mehr zur Verfügung.
Die von Ihnen verantworteten Geschehnisse machen mich sehr traurig.
Ich würde mir wünschen, dass Sie die notwendige Größe aufbringen und das begangene Unrecht korrigieren. Ich hätte davor größten Respekt und würde wieder in die Kirche eintreten.
Dr. Angelika Beinert
Einordnung und Klarstellung meiner Position zur Dommusik
Uli Fischer-Weissberger, 6.2.2025
Ich will singen, das ist mein Ziel. Viele sag(t)en, wir bräuchten hierfür einen langen Atem. Es gilt aber auch ebenfalls trotz der tiefen Verletzungen, die wir und vor allem unsere Chorvertreter erfahren haben, ansprechbar zu sein. Wir sind anders und lassen uns den Hass der anderen nicht aufzwingen, wir gaben und geben ein anderes Bild ab (hier ein kleiner Hinweis auf eine Geschichte aus der jüdischen Weisheit: https://de.chabad.org/library/article_cdo/aid/547539/jewish/Das-Herz-ist-ein-Spiegel.htm).
Es geht mir nicht darum, eine Konkurrenzstruktur zur Dommusik aufzubauen, sondern in jetzigen Zeiten einen Platz, ein Exil zu haben. Es gilt der Dommusik weiterhin ein Angebot zu machen, sich so zu verändern, dass das, was über Jahre aufgebaut wurde, erhalten bleibt. Dies ist mein Ziel.
Ich werde weiterhin im ehemaligen Domchor singen, mich aber nicht weiter in der Chorakademie engagieren. Ich hoffe, dass wir mein Ziel nicht aus den Augen verlieren.
Die Auseinandersetzungen in der Dommusik haben jetzt dazu geführt, dass große Teile der Chöre nicht mehr in der Domsingschule stattfinden. Nur noch marginale Gruppen finden sich in der Domsingschule ein. Viele sind aus den Chören, ja sogar aus der Kirche ausgetreten. Es entstehen neue Strukturen außerhalb der Dommusik. Sie haben sich bis jetzt noch nicht verfestigt, aber sie bewirken, dass die jeweiligen Formationen zusammenbleiben.
Wenn sich der Erzbischof und der Weihbischof nicht schnellstens bewegen, werden sich diese neuen Strukturen verfestigen. Dies bedeutet, dass die Dommusik auf Jahre hinaus massiv beschädigt sein wird, dass das Lebenswerk von Monsignore Raimund Hug in Trümmern liegen wird und dass das Musikleben in der Stadt beeinträchtigt und vor allem im Münster nur notdürftig am Leben gehalten werden wird.
Die Dommusik hat eine langjährige Tradition, diese aufzugeben, ist nicht gut. Meine Familie und ich haben erlebt, wie der Umzug von der Alten Wache ins Dompalais stattfand. Wie Domkapellmeister Raimund Hug seine volle Energie und Liebe in den Dienst an der Dommusik gestellt hat.
Die Bedingungen für das Singen und die Singerziehung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die Möglichkeiten, die das Dompalais für alle geboten hat, wurden auf ein hohes Niveau gehoben, dies alles wird sich massiv verschlechtern. Für uns alle, v.a. die Kinder und Jugendlichen, war das Dompalais ein zentraler Ort in Freiburg, um anders als in der Schule oder sonstwo zusammenzukommen. Auch für Kinder und Jugendliche, deren Eltern nicht so gut betucht waren, bot die Domsingschule eine Möglichkeit für eine gute musikalische (Aus-)Bildung.
Ich halte es für falsch, der Kirche den Rücken zu kehren. Ich halte es für wichtig, sich klar zu machen, dass die autoritären Strukturen innerhalb der Kirche – und das war schon immer so – es möglich machen, dass zwei Geistliche die jetzigen Zerstörungen anrichten können. Sie haben aber auch die Möglichkeit, dies rückgängig zu machen, wenn sie auf uns zugehen und uns substanzielle Angebote machen. Die angekündigte Aufarbeitung darf nicht nur darin bestehen, Fehler in der Kommunikation zuzugestehen, sondern muss auch einen wirklichen Kompromissvorschlag enthalten und m.E. auch personelle Konsequenzen haben.
Mich verwundert es, dass die indiskutable Kündigung von Domkapellmeister Boris Böhmann für viele Anlass dazu ist, die Kirche als Ganzes in Frage zu stellen. Wenn wir z.B die Geschichte des Umgangs mit den Missbrauchsfällen in der Kirche ansehen, dann wäre hier ein weit gewichtigerer Anlass dazu gewesen, der Kirche den Rücken zu kehren.
Ich habe weder die Kirche noch den Domchor verlassen, meine Mitgliedschaft im Chor ruht. Und ich weiß, dass die Kirche nicht nur aus diesen Amtsträgern besteht, sondern dass es die Gläubigen sind, die diese ausmachen.
Es ist dringend geboten, dass der Erzbischof und sein Weihbischof auf die Chöre wirklich zugehen, diese als Gesprächspartner respektieren, dementsprechend handeln und ihr Zerstörungswerk beenden. Ein wirklicher Neuaufbau ist nur in Zusammenarbeit mit den Chören möglich, der völlig undemokratische Domfabrikfonds sollte neu organisiert werden, damit die Dommusik eine Zukunft hat. Dafür sollten wir, auch wenn es unmöglich und absurd zu sein scheint, immer offen sein.
Die Dommusik ist schwer beschädigt, sie wegen des indiskutablen Verhaltens der Kirchenoberen aufzugeben, werde ich nicht unterstützen. Mein Ziel ist es im Geiste der Tradition einen tatsächlichen Neuanfang zu fördern. Diesen sehe ich sowohl im neuen Verein als auch in der Dommusik.
Es ist unfassbar, wie hier mit einem Kapellmeister umgegangen wird. Meiner Meinung nach muss nicht der ausgetauscht werden, sondern der Erzbischof! Freiburg kann sich glücklich schätzen, einen solchen Mann zu haben! Spricht nicht für den Freiburger Klerus, wie hier mit ihm umgegangen wird!
N.b.: Das Gebaren einiger dieser Leute gehört in frühere Jahrhunderte, aber sicher nicht mehr in die heutige Zeit!
Es ist unfassbar, wie hier mit einem Kapellmeister umgegangen wird. Meiner Meinung nach muss nicht der ausgetauscht werden, sondern der Erzbischof! Freiburg kann sich glücklich schätzen, einen solchen Mann zu haben! Spricht nicht für den Freiburger Klerus, wie hier mit ihm umgegangen wird!
N.b.: Das Gebaren einiger dieser Leute gehört in frühere Jahrhunderte, aber sicher nicht mehr in die heutige Zeit!
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