Widerstand

Inhalt des Blogs

  1. Der widerständige Mensch
  2. Von den Wurzeln eines Widerstandskämpfers
  3. Eine Annäherung an den Widerstandsbegriff
  4. Zivilcourage oder Bürgermut
  5. Mitgefühl und Klugheit
  6. Morde verhindern
  7. Die 2 Formen des Widerstands
  8. Legitimer Widerstand versus illegitime Renitenz

Ich bin noch am Au, deshalb verändere ich die Seite laufend

Ich bin noch am Ausarbeiten der Seite, deshalb verändere ich sie laufend.

Zum Widerstand im NS und heute

Der widerständige Mensch

Nicht schlau, sondern klug handeln, das zeichnet sie/ihn aus. Nicht sinnlos und blind ins Verderben rennen, sondern wohl durchdacht und dem spontanen Impuls zum helfen nachgeben. Beides trifft auf Widerstandskämpfer*innen zu. Sie sind keine unterwürfigen, sich mit der Situation abfindenden Mitläufer*innen. Sie suchen ihren, den menschlichen Weg aus der Unterdrückung, dabei kann es sein, dass sie unbedacht handeln, wie zum Beispiel Sophie Scholl beim Verteilen von Flugblättern. Denn Klugheit kann das Temperament, ihren Jugendlichen Übermut, nicht in jeder Situation zügeln.

Auch bergen die Handlungen immer ein Risiko, Willi Graf hielt die Flugblattaktion für zu gefährlich. Doch die Mitglieder der Weißen Rose sind mitnichten gescheitert, sie haben „überlebt“ – heute sind sie in unseren Gedanken und Herzen.

Von den Wurzeln eines Widerstandskämpfers

„Bleib immer ein Mensch, mein Junge, und anständig, auch in schweren Zeiten und selbst dann, wenn du Opfer dafür bringen musst.“ (Heinz Drossels Vater an seiner Erstkommunion)

Wie wird man zum widerständigen Menschen? Wie kommt es dazu, dass Heinz Drossel sich für seinen Nachbarn einsetzt und zur Gestapo geht?

Es liegt auf der Hand, dass dies nur in den Erfahrungen und in der Erziehung jedes Einzelnen liegen kann. Im folgenden Filmausschnitt berichtet Heinz Drossel von seiner Kindheit, in der er die positive Zuwendung von Vater und Mutter und das Vorbild eines humanistisch gebildeten Großvaters erleben durfte, auch seine Großmutter ging ihren eigenen Weg, so brachte sie einen NS-Wahlhelfer dazu, ein Nein zu Hitler auf ihrem Wahlzettel anzukreuzen. Wir lernen die Wurzeln eines widerständigen Menschen kennen.

Eine Annäherung an den Widerstandsbegriff

Widerstand ist immer gespeist von der Erfahrung und Erkenntnis der Unmenschlichkeit, des Zerstörerischen und Verbrecherischen der jeweiligen „Situation“, sei diese persönlicher oder gesellschaftlicher Art.

Diese Erfahrung und Erkenntnis führt häufig zur versuchten oder ausgeführten Widerstandshandlung.

Dieses Verhalten ist deshalb immer legitim.

In Diktaturen ist Widerstand nicht legal und wird kriminalisiert.

In Demokratien muss die Widerstandshandlung sich im Rechtsrahmen bewegen. Nur wenn dieser die Menschenrechte missachtet, ist es geboten, Widerstand zu leisten.

Es muss deshalb deutlich zwischen Widerstand in Diktaturen und Demokratien unterschieden werden.

Zivilcourage oder Bürgermut

Was bei uns leider Alltag ist, erzählen Samira El Ouassil und Friedemann Karig in ihrem Podcast „Piratensender Powerplay“ vom 11.2.2022:

Es geht dabei um die 17-jährige Dilan, die rassistischer Gewalt ausgesetzt war und der keiner half.

Sich für andere, den Mitmenschen, den Mitbürger einzusetzen, wird schon in der attischen Demokratie eingefordert. Heutzutage ist dies ohne Repressionen möglich. In der NS-Diktatur erforderte dies großen Mut.

Hier ein Beispiel: Heinz Drossel setzt sich für einen von der Gestapo verhafteten Nachbarn ein.

Mitgefühl und Klugheit

„Habe Mut zu dir selbst, und such deinen eigenen Weg.“

Diese Worte werden Janusz Korczak zugesprochen, er war ein jüdisch-polnischer Kinderarzt und begleitete die Kinder seines Waisenhauses 1942 ins Vernichtungslager Treblinka, was seinen sicheren Tod bedeutete.

Ich stelle mir ihn trotz des schrecklichen Schicksals als einen glücklichen Menschen vor.

Ich weiß, das ist eine gewagte Spekulation.

Was mag ihn aber dazu bewegt haben, in den sicheren Tod zu gehen? Zwei wesentliche Eigenschaften bestimmen meines Erachtens den Menschen, der dem Bösen widersteht: Das sind Mitgefühl und Klugheit. Beide Eigenschaften beziehen deutlich den oder die Mitmenschen und deren Situation in das eigene Fühlen, Denken und Handeln mit ein, das Miteinander, die Gemeinschaft, in der ich mich als Einzelner aufgehoben fühle, in der ich mich erst finde, das ist mein Leben.

So ist es nur folgerichtig, dass ich mit meinen Lieben, mit dem Anderen mein Schicksal teile. Wenn ich dies nicht tue, werde ich unglücklich.

Besteht auch nur ein Lichtstrahl Hoffnung auf ein gemeinsames Entkommen, dann ergreife ich die Gelegenheit.

Morde verhindern

Heinz Drossel im Vernichtungskrieg

typische Situationen

Es ist der Beginn des Vernichtungskriegs gegen die Sowjetunion. Heinz Drossel weiß um den verbrecherischen Befehl: „Es dürfen keine Gefangenen gemacht werden.“ Sie durchqueren einen Fluss im Grenzgebiet zwischen Polen und Litauen. Es ist der 22.Juni 1941.

Heinz Drossel hatte Mitgefühl, tätiges Mitgefühl. Er musste spontan handeln, als sein Vorgesetzter den Schießbefehl gab, und er überlegte nicht lange und brachte sich dabei in Lebensgefahr; aber es war unwahrscheinlich, dass seine Kameraden auf ihn schießen würden. Außerdem schätzte er das Risiko nicht hoch ein, dass sein Kommandant ihn anzeigen würde.

Es kann auch anders geschehen

Heinz Drossels Kompanie ist auf dem Vormarsch durch Litauen. Sie kommen an einer schrecklichen „Szene“ vorbei: Ein alter Jude wird zu Tode gequält.

„Den Blick, die Augen des alten Mannes sehe ich vor meinem inneren Auge.“, sagte er mir.

Text: Der alte Jude https://www.heinzdrossel.de/dokumente/der-alte-jude-weissberger.pdf

Im persönlichen Gespräch spürte ich deutlich, wie betroffen Heinz Drossel war. Er bedauerte, nicht eingegriffen zu haben, um die Leiden des Mannes dadurch zu verkürzen. Er hatte nicht spontan reagiert, hatte nicht seinem Impuls zu helfen nachgegeben. Darüber war er bis zu seinem Tod bestürzt.

Das Massaker von Dagda

Nicht helfen zu können, traumatisierte ihn, als er bei einem Massaker die Ermordung eines Kindes miterleben musste.

Heinz Drossel beim Gespräch

Heinz Drossel und seinen Freunden wurde hier bewusst, dass sie in einer Armee waren, die Mord und Gewalt verbreitete. Dieses und andere Erlebnisse bestärkten ihn darin, Widerstand zu leisten, wenn immer die Situation es ermöglichte.

Die 2 Formen des Widerstands

1. Das Aufsuchen oder Herbeiführen der Situation

Diese Form ist davon bestimmt, dass der oder die Widerstandskämpfer*innen Widerstandshandlungen planen. Sie organisieren, wie zum Beispiel Georg Elser, die Tat: Dieser ließ sich tagelang im Hofbräukeller einschließen und mauerte den Sprengstoff in einer Säule ein, so wollte er Hitler töten, es misslang und Elser wurde auf der Flucht verhaftet. Im Gegensatz zu Elser war Graf Schenk von Stauffenberg kein Einzeltäter, sondern Teil einer Gruppe, die nach Hitlers Tod die Macht übernehmen wollte. Beiden ist gemeinsam, dass sie aus einer festen Überzeugung, aus politischen Vorstellungen heraus planvoll handelten.

Meines Erachtens sind sie von einer Idee bestimmt, die sich mit ihrer widerständigen Haltung oder ihrem Charakter verbindet. Dieser macht die 2. Form des Widerstands aus.

2. Die kluge und spontane Haltung in der Situation

Diese Form speist sich allein aus der widerständigen Grundhaltung des Handelnden. Eine humanistische Erziehung und „Herzensbildung“ bedingen sie. Mitmenschlichkeit, Solidarität und Empathie prägen sie. Ich habe sie im Abschnitt „Morde verhindern“ schon beschrieben.

Legitimer Widerstand versus illegitime Renitenz

Die oben beschriebene Haltung ist die Voraussetzung für legitimen Widerstand. Es kommt zum Beispiel bei „Querdenkern“ oder Anhängern von Verschwörungstheorien vor, dass deren Vorstellungen, die sie als Widerstand bezeichnen, aus einer egozentrischen und ignoranten Haltung heraus geschehen. Diesen Leuten fehlt es an Mitgefühl, sie verlieren sich in oder sie „genießen“ ihr Mitleid(en). Praktische Klugheit, die Einsicht in ihr begrenztes Wissen, wie es schon Sokrates zeigte, ist ihnen fremd. Sie glauben, alles, was sie betrifft, kompetent einschätzen zu können. Häufig sagen sie, dass sie dies so fühlten. Und gründen ihr vermeintliches Wissen auf diesem Gefühl. So sind sie gegen vernünftige Argumente und Fakten „ immun“.

Ein kleiner Ausflug zum Philosophen Sokrates

aus der Apologie (Verteidigungsrede) des Sokrates von Platon:

In diesem Abschnitt zeigt Sokrates die Ignoranz von Leuten auf, die meinen, weil sie in einem Gebiet über herausragendes Wissen verfügen, alles beurteilen könnten.

Legitimer Widerstand muss demnach immer aus einer selbstkritischen Haltung heraus stattfinden und darf nicht von einer ignoranten Vorstellung geleitet sein. Es kann jederzeit vorkommen, dass die handelnde Person von „positivem“ Widerstand spricht, jedoch völlig gegenteilig handelt. So wie im folgenden Film eine junge Frau ihren „Coronaprotest“ mit dem Widerstand Sophie Scholls gleichsetzt.

Dass ein Ordner, das nicht hören will, ist erfreulich. Die Reaktion der jungen Frau ist interessant. Sie ist traurig, wütend darüber, dass sie sich nicht so präsentieren konnte, wie von ihr gewollt. Sie konnte ihr Gefühl nicht ausleben, sich so wie Sophie Scholl zu sehen und zu fühlen.

Dass Widerstand in einer Diktatur auch von Menschen geleistet wird, die undemokratische oder auch rassistische Vorstellungen haben, kommt vor. Der Widerstand ist trotzdem legitim. So waren nicht alle Widerstandskämpfer des 20. Juli überzeugte Demokraten.

In einer Demokratie ist legitimer Widerstand untrennbar mit einer demokratischen, offenen und antirassistischen Haltung verbunden. Irrationale Ablehnung von Fakten und wissenschaftsfeindliche Vorurteile oder Gefühle delegitimieren die Revolte, da sie egozentrisch-unsolidarisch daherkommt. Die Anmaßungen von Querdenkern und Verschwörungstheoretikern sind kein legitimer Widerstand, sondern spiegeln eine unreflektierte und unvernünftige Weltsicht wider.

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